Radfahren in Dresden

Baubürgermeister erlebt, wie leicht man gegen Verkehrsregeln verstößt

Fahrrad an Elbbrücke ind Dresden

© fahrradbibliothek.de

Die Richtungspfeile auf der Neustädter Seite der Brücke hat er ignoriert, es ging geradeaus auf die Hauptstraße. Übersehen hat er auch den Hinweis auf der „Hoyerswerdaer“, dass dort der Fußweg in Richtung Albertbrücke zugleich Radweg ist. Und auf der Ammonstraße ignorierte er mitsamt seiner Fahrradgruppe gar eine „rote Ampel“.

Es ist einiges schief gelaufen beim Radfahrtermin mit dem Ressortchef aus dem Rathaus. Und das war gut so. Schließlich hatte Marx geladen, um erfolgreiche und noch anstehende Projekte zu zeigen, die das Fahrradfahren in der Stadt sicherer machen sollen, sich Missstände erklären zu lassen und Erfahrungen zu sammeln. Mit dabei: Nora Ludwig, die Radverkehrsbeauftragte der Stadt und weitere Vertreter aus dem Ressort des Baubürgermeisters. Dazu jede Menge Journalisten mit Notizblöcken, Kugelschreibern und Fotoapparaten.

Marx hatte eine mehr als zehn Kilometer lange Strecke mitten durchs Zentrum ausgewählt und es ging gleich mit einem Fehler los: Am Word Trade Center radelte die Gruppe auf der falschen Straßenseite über die Kreuzung, um dann Richtung Hauptbahnhof weiterzufahren. Vor der Brücke Budapester Straße übersah die Hälfte der Radfahrer dann das Rotlichtsignal einer Ampel. Vom Wiener Platz ging es durch die Prager Straße. Am Wiener Loch wurde es für kurze Zeit eng, „die drängeln hier überall durch“, schimpfte eine Fußgängerin über die Radfahrer und Marx bekam den Hinweis, dort müsse künftig für mehr Ordnung gesorgt werden.

Eng wurde es auch an der Haltestelle Prager Straße, der Baubürgermeister kurbelte vornweg über den „Külz-Ring“ und landete prompt auf dem Fußweg der Seestraße. Nur ein Konzentrationsfehler. Später lobte er am Kulturpalast die sogenannte Radfahrerfurt über die Wilsdruffer Straße und musste sich sagen lassen, dass die eckigen Fahrradbügel im Stadtzentrum nicht der Stein der Weisen sind. „Die sind doof“, stellte seine Persönliche Referentin Hanka Böhm fest. Sie seien nicht ganz optimal, räumte der Bürgermeister zähneknirschend ein, entsprächen aber dem „Gestaltungshandbuch“ der Stadt. Die Kanten zerkratzen Fahrradrahmen und sonderlich stabil sind die Bügel auch nicht. „Wir prüfen gerade erneut den Fahrradbügelbedarf“, sagte Nora Ludwig, dieses Mal werde jeder Stadtteil einzeln untersucht. Los gehts mit der Inneren Neustadt, die Qualität der Fahrradbügel soll dabei auch ein Thema sein.

Dorthin radelte die Gruppe weiter, zunächst auf dem Fußweg über die Augustusbrücke, später auf der Straße. Marx ließ sich den Richtungspfeil an der Kathedrale zeigen, der eigentlich auch Radfahrer auf die Sophienstraße zwingt, und versprach, eine Änderung zu prüfen.

Geradewegs und verkehrswidrig geradeaus gings über die Große Meißner Straße zur Hauptstraße und weiter zum Albertplatz. Marx sah verbeulte Fahrradbügel und stellte fest, die Autobevorrechtigung auf der Kreuzung Hauptstraße / Metzer Straße müsse vielleicht überdacht werden.

Auf der Bautzner Straße stand die Gruppe dann im Ampelstau vor der Kreuzung „Bautzner/Rothenburger“. Marx kündigte einen eigenen Radfahrstreifen zwischen Albertplatz und Rothenburger Straße an.

Auf der „Hoyerswerdaer“ war der Fuß- und Radweg zugeparkt, Marx steuerte zwischen den Straßenbahnschienen entlang, erst kurz vor der Albertbrücke gings notgedrungen auf den Radweg, um auf die Behelfsbrücke zu gelangen. Sobald es frostig wird, werde die an jedem Morgen kontrolliert und gestreut werden, falls das nötig ist, so der Bürgermeister.

Ein Abstecher führte hinunter an die Elbe, wo Marx einräumen musste, dass der Parallelweg zum Elberadweg bis mindestens 2015 auf sich warten lassen wird. Noch laufen Artenschutzuntersuchungen, dann muss das Planfeststellungsverfahren erledigt und Geld für den Bau bereitgestellt werden.

Finale der Radtour war im Großen Garten. Der Baubürgermeister musste einsehen, dass Regelverstöße beim Radfahrern schnell passieren können. „Man verleitet die Leute dazu, irgendwas zu machen“, räumte er ein und versprach Verbesserungen.

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